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Touristik

Die Eiskeller der ehemaligen Bierbrauerei der Gebrüder Beuing in Altenberge

Der Eiskeller wurde auf drei Etagen angelegt und massiv in Ziegelsteinen ausgebildet. Begonnen wurde 1860. Bereits 1861 wurde die Produktion des Bierbrauens aufgenommen. Dieses Baudenkmal ist in seinem mehrgeschossigen Aufbau einzigartig; nicht nur im Münsterland, sondern, soweit wir heute erkennen können, auch in Europa.

Blick auf das halbrunde Tonnengewölbe des großen Eiskellers.
Blick auf das halbrunde Tonnengewölbe des großen Eiskellers.

Blick vom Gärkeller zum großen Eiskeller.
Blick vom Gärkeller zum großen Eiskeller.

Denkmalumfang: Die drei Etagen des Eiskellers werden durch eine Wendeltreppe im südöstlichen Bereich erschlossen. Die drei ansonsten vertikal versetzten Geschosse sind im nördlichen Flügelbereich hallenartig miteinander verbunden.

Das Untergeschoss setzt sich zusammen aus der Halle und einem östlich, rechtwinklig anschließenden Flügel. An dessen südlichen Giebel liegt das Treppenhaus. Das Mittelgeschoss wird erschlossen durch einen Gang, der vom Treppenhaus aus zu dem westlich liegenden Flügel führt. Von hier aus erfolgt wieder eine Verbindung zur Halle.

Das Obergeschoss ist lagemäßig zu dem Untergeschoss ausgerichtet und erschließt wieder die Halle. An den Wänden bzw. Decken befinden sich Reste der betriebstechnischen Ausstattung sowie Rohre und Elektroleitungen.

Baugeschichte: Die „baiersche Bierbrauerei Gebrüder Beuing“ mit ihrer mehretagigen effektiven Eis-Lager-Gärkellergewölbearchitektur wurde 1860 in Altenberge errichtet und bereits im folgenden Jahr wurde hier das erste untergärige Bier hergestellt. Dass es sich hierbei um ein erfrischendes und äußerst schmackhaftes Bier handelte, das wird von dem berühmten Professor Landois bezeugt, der am 7. Juni 1877 mit den Teilnehmern der Zoologischen Section und ihrem Altenberger Mitglied, dem Apotheker Engelsing, dieses vorzügliche Bier genoss.

1871 erhielt die Brauerei einen Dampfkessel und eine Dampfmaschine.

Ab 1879 wurde die Brauerei zusätzlich als Ergänzung zur Natureiskühlung mit einer künstlichen Kühlung der Firma Linde ausgestattet.

1890 wurde durch den großen Lagerkeller in der mittleren Etage mit dem doppelgeschossigen Eiskeller darüber zu einer vieretagigen Gesamtanlage vergrößert.

Blick in den Gärkeller.
Blick in den Gärkeller.

Der große Eiskeller mit Pfeilernischen als Widerlager gegen den nördlichen Abhang.
Der große Eiskeller mit Pfeilernischen als Widerlager gegen den nördlichen Abhang.

Zur Familiengeschichte: Am 1. Februar 1860 stellten die Brüder Franz und Johann Hermann Beuing den Antrag für den Bau einer „baierischen“ Bierbrauerei in Altenberge. Dieser Eingabe fügten sie den Eigentumsnachweis für das hierfür vorgesehene Grundstück im Norden der Ortschaft und die dazugehörigen Baupläne bei. Am 31. Januar 1861 konnte die Brauerei bereits die Produktion aufnehmen.

Nach einem verheerenden Brand der Brauerei in 1927 wurde sie 1929 an den schwedischen Kaufmann Andreas Okesson verkauft.

Bereits 1930 findet ein erneuter Eigentumswechsel statt. Die Brauerei geht nun in das Eigentum des Clemens Beuing über. 1931 wurde das Schicksal der Brauerei Beuing in Altenberge endgültig besiegelt. Die beiden wirtschaftlich starken Unternehmen, die Germania Brauerei und die Privatbrauerei Rolinck verpflichteten den Eigentümer durch Vertrag, auf seinem Firmengelände nie mehr Bier herzustellen.

Zum Denkmalwert: Dieser Eiskeller ist bedeutend für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse dieser Brauerei. Dies deshalb, weil die Bierwürze, der Sud aus Malzschrot und Hopfen sehr schnell auf Kellertemperatur abgekühlt werden muss, um dann die Bierhefe in den Gärbottichen im Gärkeller auszugären. Dieser Prozess dauerte in etwa acht Tage. Das fertige Jungbier wurde anschließend in Lagerfässer umgefüllt, in denen die Nachgärung beginnt. Nach circa acht bis zwölf Wochen hat das Bier die volle Reife entwickelt. In diesem Prozessablauf spielt die ausreichende Kühle, vor allem in den Sommermonaten, die entscheidende Rolle, damit das Bier auf Grund zu hoher Umgebungstemperaturen nicht „umkippt“. Dies geschah durch das in dem Eiskeller eingelagerte Eis. Es ist allerdings zurzeit nicht nachvollziehbar, warum nicht der seit Mitte der 1880er Jahre bekannte technische Standard mit Dampfmaschine und Eismaschine zum Einsatz gelangte. Eine Erklärung mag die damalige kostengünstige Nutzung der Eisteiche im Nachbereich zur Brennerei sein.

Für die Erhaltung und Nutzung des Eiskellers liegen wissenschaftliche Gründe vor. Diese deshalb, weil dieser große, im Boden eingetiefte Eiskeller von besonderer dokumentarischer Bedeutung ist für die Bauaufgabe: Bau von Eiskellern. Im westlichen Münsterland kann derzeit kein vergleichbares Objekt benannt werden. Die Nutzung kann auch in der reinen Anschauung liegen.

Nachdem durch das Westfälische Amt für Denkmalpflege die herausragende Bedeutung dieser Eiskelleranlage erkannt worden ist, wurde die Anlage 1996 zum Baudenkmal ernannt und unter Schutz gestellt.

Modell der Eiskelleranlage.
Modell der Eiskelleranlage.

Über mehrere Stockwerke ziehen sich die unterirdischen weiträumigen Kelleranlagen der Brauerei, in denen das Eis zur Kühlung und die Fässer zur Gärung und Reife gelagert wurden. Ihr unteres Geschoss ist schon länger ein Quartier für bedrohte Fledermausarten. Denkmal- und Naturschutz verbinden sich im Eiskeller Altenberge.

Im Rahmen der REGIONALE 2004 erfolgten die Ausbaumaßnahmen und der Bau des Informationspavillons. Der transparente Pavillon aus dunklem Stahl und grün schimmernden Glas erinnert in seiner Form an eine Eisscholle. Er erhebt sich über Mauerresten der ehemaligen Brauereigebäude und bildet den Zugang zum Eiskeller.

Eine Ausstellung führt in die Geschichte der Bierbrauerei Beuing, des Eiskellers und das mannigfache „Glück der Kälte“ ein. Auch die Bewohner der Anlage – die Fledermäuse – werden in der Ausstellung vorgestellt.

Der Pavillon ermöglicht Projektangebote für Schulen und Gruppen sowie Vortrags- und Besprechungsveranstaltungen. Eine mediale Ausstattung ist vorhanden.

Auf das alte Mauerwerk der Eiskelleranlage wurde im Jahr 2004 das Museum in Form einer Eisscholle gebaut.
Auf das alte Mauerwerk der Eiskelleranlage wurde im Jahr 2004 das Museum in Form einer Eisscholle gebaut.

Eingang zum Museum der Eiskelleranlage
Eingang zum Museum der Eiskelleranlage.

Öffnungszeiten des Eiskellers und des Pavillons:
Sommersaison (Mai bis September): 
Jeden Samstag von 13.00 Uhr bis 17.00 Uhr (letzte Führung um 16.00 Uhr).
Werktags nach Vereinbarung.
Sonn- und feiertags von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr (letzte Führung um 16.00 Uhr).

Wintersaison (Oktober bis April): 
Nach Vereinbarung.

Gruppen und Schulklassen können ganzjährig Führungen und Besichtigungen vereinbaren.

Anmeldungen und Informationen:
Bürgeramt der Gemeinde Altenberge
Telefon (0 25 05) 82-32 oder 82-33
Fax (0 25 05) 82-40

Weitere Informationen:

Eiskeller-Broschüre

Die Eiskeller
Herausgeber: Gemeinde Altenberge
Preis: 3,00 Euro
ISBN: 3-926813-07-5

Das Buch ist im Bürgeramt der Gemeinde Altenberge erhältlich.




Lageplan und Wegbeschreibung zum Eiskeller

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